Was macht „die Kunst“ in der Kunsttherapie?

Die Frage, was die Kunst in der Kunsttherapie ist, mündet leicht in dem unausgesprochenen Missverständnis, dass die Kunsttherapie den Regeln des Kunstsystems folgt und den mit ihm verbundenen Mythen, Ritualen, Moden oder ökonomischen Mechanismen. Dabei sind die Grenzen des Systems Kunst aus systemischer Sicht eindeutig definiert und lässt sich die Frage, wo Kunst anfängt und wo sie aufhört, einfach beantworten: Die Kunst in der Kunsttherapie folgt nicht den Regeln des Kunstsystems.

Der Zusammenhang zwischen Kunst und Therapie führt zu ganz anderen Fragen : Die Frage danach, welche Bedeutung die Kunst in einem kunstfernen Kontext, dem Gesundheitssystem spielen kann, die Frage nach dem spezifischen Potential künstlerischer Praxis, die Frage nach Analogien zwischen der künstlerischen und der sonstigen Lebenspraxis und die Frage nach den Faktoren der künstlerischen bzw. kunsttherapeutischen Praxis, die zu einem gelingenden Leben beitragen.

Vier Hypothesen sind in diesen Fragen enthalten, denen es sich lohnt, auf den Grund zu gehen:

  • Kunsttherapeutisches Handeln ist kunstanaloges Handeln. Die Kunst in der Kunsttherapie folgt nicht den Regeln des Kunstsystems.
  • Wer sich künstlerisch betätigt, ob innerhalb oder außerhalb des Kunstsystems, sieht die Welt mit anderen Augen, hört sie mit anderen Ohren, bewegt sich in ihr mit anderen Intentionen.
  • Wo die künstlerische Praxis anfängt, geht das Leben (anders) weiter.
  • Die kunsttherapeutische Praxis ist ein Modell für ein gutes Leben im Sinne einer gelingenden Weltbeziehung.

Mehr in: Sinapius, P. (2017): Was macht „die Kunst“ in der Kunsttherapie? Die kunsttherapeutische Praxis als Modell für ein gelingendes Leben. In: Bitte einsteigen! Gespräche über Fahrpläne & Reiseziele der Kunsttherapie, Tagungsband des Anschluss e.V.