Aktuelle Texte

21.11.2021

Singen und Sagen

Wie kommt die Musik in die Rede und wie kommt die Bedeutung in das Wort?
Virtueller Vortrag auf dem 10. GRAZER MUSIK THERAPIE TAG 2021 – „Auf jetzt!“ – Die Kunst des Alten und die Kraft des Neuen in der Musiktherapie 19.–21.11.2021
Singen und Sagen sind zwei unterschiedliche Modi der Welterzeugung. Wenn wir miteinander sprechen, singen wir nicht – zumindest taucht das „Wie“ des Sprechens hinter dem „Was“ der Sprache unter. Wenn ich jetzt anfangen würde zu singen, würden Sie das nicht mit einem klassischen Vortragsformat in Zusammenhang bringen können. Und trotzdem intoniere ich meine Rede, sie hat Melos und Rhythmus und verfügt über eine Komposition.
18.10.2021

Wir brauchen unser Selbst nicht zu verwirklichen. Es ist immer schon da.

Ein kritischer Blick auf spirituelle Praktiken in Kunst und Therapie
Vortrag auf der Tagung „Kunst, Gesundheit, Spiritualität – Eine Spurensuche“ vom 15.-17.10.2021 in der Evangelischen Akademie Tutzing in Kooperation mit der Internationalen Gesellschaft für Gesundheit und Spiritualität e.V. und STADTKULTUR Netzwerk Bayerischer Städte e.V.
Wenn wir von Selbstverwirklichung sprechen, stellt sich die Frage, was wir verwirklichen wollen und was unser Selbst ausmacht. Ist mein Selbst ein in mir ruhendes konsistentes System, das unabhängig von äußeren Einflüssen existiert, so dass meine Aufgabe darin besteht, es in Erscheinung zu bringen? Hat das Selbst bereits eine spirituelle Dimension, bevor es in Erscheinung getreten ist? [...]
11.11.2020

Wie ist es eine Farbe zu sein?

Kunst als therapeutische Praxis
Virtueller Vortrag an der MSH Medical School Hamburg am 11.11.2020
Ich weiß nicht, ob Sie sich schon einmal gefragt haben, wie es ist eine Farbe zu sein. Eine Farbe ist schließlich kein Lebewesen, sondern ein physikalischer Zustand. Genauso gut könnte man sich fragen, wie es ist ein Tisch zu sein oder ein Hut oder eine Straßenlaterne. Bei genauem Hinsehen zeigt sich, dass das gar nicht so abwegig ist und dass es in unserer Kulturgeschichte eine Fülle anthropomorpher Vorstellungen und Darstellungen gibt, die Tieren, Naturgewalten, Gegenständen oder sogar Maschinen menschliche Eigenschaften zuschreiben. Wir haben beispielsweise kein Problem, einen abgestorbenen Baum, den Caspar David Friedrich in das Zentrum einer Landschaftsdarstellung rückt, als Metapher für menschliche Erfahrungen von Tod und Vergänglichkeit zu lesen. Und die Frontpartie eines Autos bringen wir, wenn wir sie sehen, unweigerlich mit der menschlichen Physiognomie in einen Zusammenhang. Was passiert, wenn wir das tun und was hat das mit Kunsttherapie zu tun? [...]
31.10.2020

Alles voller Sprache

Schreiben als Versuchsanordnung
In: Kerstin Hof (Hrsg.) (2020): Dreierlei Mut. Hamburg, Potsdam, Berlin: HPB University Press.
Alles voller Sprache: auf Anzeigetafeln, in sozialen Netzwerken, in Briefen und E-Mails, in Zeitungen und Illustrierten, in Nachrichten und Eilmeldungen, in Konferenzen oder Meetings, in meinem Kopf oder auf der Speisekarte. Sprache ist allgegenwärtig. Ich informiere, ich plane, ich reflektiere, ich strukturiere und ordne, ich erfinde und erzähle, ich erinnere und identifiziere, ich definiere und bewerte, ich konstatiere und zweifele, ich liebe und hasse, ich nehme teil und weise zurück. Ich kann nicht ohne Sprache sein. Und doch bleibt Sprache allzu oft nur ein Versuch, mich in mein Sein zu stellen. Die Sprache muss es aushalten zwischen der Verfügbarkeit von Dingen und Sachen und der Unverfügbarkeit des Seins [...]