Bundestagswahl 2013: Die AfD scheitert mit 4,7% an der 5%-Hürde.
Bundestagswahl 2025: Die AfD erhält 20,8% der Stimmen.
Landtagswahl Sachsen-Anhalt 2026: Die AfD verfehlt nur knapp die absolute Mehrheit.
Was kommt als Nächstes?
Der Kabarettist Harald Schmidt wiegelt ab: „Ich würde mir gerne Sorgen machen, aber ich mache mir keine.“ Der Filmemacher Werner Herzog geht in der ZEIT noch einen Schritt weiter: „Ein Parteiverbot können nur Kretins fordern.“
Echt jetzt?
Autor: Peter
Schwarze Milch
Der Milliardär Theo Müller, der rund 35.000 Mitarbeiter beschäftigt und 2025 einen Umsatz von 10,4 Milliarden Euro gemacht hat, hat gestern Friedrich Merz zur Bildung einer Minderheitsregierung mit Unterstützung der AfD aufgefordert: „Schwarz und Blau. Dann wäre Deutschland bald saniert.“
Ich weiß nicht, was der in seine Milch gemischt hat, dass er auf so eine Idee kommt. Ich trink sowas nicht.
Lasst mich doch in Ruhe!
Das war meine erste Reaktion auf den Wahlausgang in Sachsen Anhalt. Nachrichten abschalten, wegschauen, abdrehen. Das hatte ich mir gewünscht. Was aber passierte, als ich auf die Straße ging?
Vor der queeren Bar im Nachbarhaus, in der ich vor etlichen Jahren einmal meine Malereien aufgehängt hatte, traf ich auf die Besucher mit ihren Cocktails in der Hand und musste durch sie hindurch.
Ich bin kein Fisch im Schwarm.
Heute wird in Sachsen-Anhalt gewählt.
Ich weiß nicht, ob Goethe oder Schiller AfD wählen würden. Kann ich mir ehrlich gesagt nicht vorstellen. Aber die AfD nimmt sie schonmal als Vertreter der deutschen Leitkultur in Anspruch. Sie können sich ja nicht mehr wehren.
Nicht deutsch genug.
Der Wassily Chair wird so genannt wird, weil Wassily Kandinsky so einen besessen haben soll. Es ist ein 1925 von Marcel Breuer am Bauhaus entworfener Stahlrohrstuhl. Wäre es ein Biedermeier-Stuhl, wäre das für die AfD in Sachsen-Anhalt kein Thema.
Der Wassily Chair ist aber ein Designklassiker aus dem Bauhaus. Und das hat die AfD in Sachsen-Anhalt zu ihren kulturpolitischen Hauptfeind erklärt.
Die historischen Parallelen scheinen sie nicht zu stören: Die Nationalsozialisten hatten auch schon das Bauhaus im Visier. 1933 wurde das Bauhaus von ihnen kurzerhand geschlossen. Nicht deutsch genug.
Rick Langenstein: Ein Opfer rechtsextremer Gewalt
Stell dir vor, du verlässt nach einer durchtanzten Nacht die Diskothek und machst dich auf den Weg nach Hause. An einer Bushaltestelle triffst du auf einen Typen mit frisch rasierter Glatze, Nackentätowierung, Kaputzenjacke und Springerstiefeln, der dich um eine Zigarette anhaut. Du guckst ihn an und sagst, dass du Hobby-Nazis keine Zigarette gibst. Er antwortet mit einem Schlag in dein Gesicht und haut mit seinen Quarzhandschuhen so lange auf dich ein, bis du am Boden liegst und das Bewusstsein verlierst.
Diskriminierende Logiken
„Hol dir dein Land zurück“, plakatiert die AfD in Sachsen-Anhalt.
Wen meint sie eigentlich? Wer soll von wem sein Land zurückholen?
Die Deutschen ihr Land von den Ausländern? Die deutsche Mutti ihr Land von der queeren Community? Der deutsche Gartenzwerg sein Land von den Wildblumen? Der deutsche Vati sein Land von der „herrschenden Elite“?
Egal! Wahrscheinlich passt alles, wo man draufhauen kann, um sich selbst zu definieren.
Opfer oder Täter?
Vor zehn Jahren wurde der syrische Flüchtlingsjunge Alan Kurdi tot an der türkischen Ägäis-Küste angeschwemmt. Er lag in blauer Hose und rotem T-Shirt bäuchlings im Sand. Das Bild ging um die Welt.
Das Bild, das im Augenblick von Flüchtlingen gezeichnet wird, ist ein anderes: Die Flüchtlinge sind keine Opfer. Sie werden als „Bedrohung“ dargestellt. Zehntausende Migranten hatten in den vergangenen Tagen von Marokko aus die spanische Exklave Ceuta erreicht. Inzwischen ist ein Großteil von ihnen zurückgekehrt.
Alle Achtung, Herr Merz…
…Sie haben den Anschlag auf die queere Community unmissverständlich verurteilt und ihn als „Angriff auf unsere Freiheit“ bezeichnet.
Ja, das war er!
Was für Schlüsse ziehen Sie jetzt daraus?
Mehmet Kaymakçi: Erschlagen, weil er Türke war
1983 erreichte die Ausländerfeindlichkeit in Deutschland einen vorläufigen Höhepunkt. Die Bundesregierung unter Helmut Kohl beschloss ein sog. „Rückführungsgesetz“, weil — wie sich der seinerzeit amtierende Bundesinnenminister Zimmermann ausdrückte — die Zuwanderung von Ausländern eine Bedrohung für „die Homogenität der Gesellschaft“, d.h. für die „deutsche Geschichte, Tradition, Sprache und Kultur“ geworden sei.
Am 24. Juli 1985 wird diese rassistische Drohkulisse für Mehmet Kaymakçı zur tödlichen Gewissheit.