Brandmauer und Fegefeuer

Joshua Kimmich hat die Umfrage des WDR über Diversität im Fußball als „absolut kontraproduktiv“ bezeichnet. Finde ich auch. Das Ergebnis der Umfrage ist es umso mehr. 21% der Befragten fanden es besser, wenn mehr Spieler mit weißer Hautfarbe in der deutschen Nationalmannschaft spielen.

Einen Standpunkt zu vertreten hat nichts mit Mehrheiten zu tun.

Ich habe mich gestern zum Wahlausgang geäußert und mich dabei der Strommetapher bedient. Ich habe mich gefragt, was es heißt mit oder gegen den Strom zu schwimmen.

Darauf ist mir vorgehalten worden, man könne zwar gegen den Strom schwimmen, wäre dann – im Falle der Grünen – bei der kommenden Bundestagswahl von der Bildfläche verschwunden. Immerhin verlasse man dann die politische Bühne in dem Gefühl moralischer Überlegenheit, aber man habe nichts erreicht.

“singulär plural sein”: Über das Schwimmen gegen den Strom.

Ich weiß nicht, ob ich mich mit diesem Post beliebt mache. Das ist mir egal.

Von rechts kommt als Reaktion auf den Wahlausgang: Haben wir es nicht gleich gesagt? Die Grünen können es nicht! Jetzt haben sie die Quittung bekommen. Sie übertreiben es mit der Energiewende, ruinieren die Wirtschaft und in der Migrationspolitik „treten sie als Bremser auf“. Sie sollten ihre politische Agenda überdenken!

Werdet laut!

Heute lese ich in einem Beitrag auf LinkedIn:
„Es bringt wenig, jetzt „lauter zu werden“ oder AfD-Wähler als dumm oder Nazis zu bezeichnen. Die Reaktionen auf das Wahlergebnis sind ein Symptom moralischer Überheblichkeit und mangelnder Selbstreflexion. Wir brauchen keine Belehrungen, sondern politische Lösungen, die reale Ängste ansprechen: Angst vor unkontrollierter Einwanderung / Angst vor wirtschaftlichem Abstieg / Angst vor sozialer Ungerechtigkeit.“

Momentmal!

Wo Unrecht zu Recht wird…

„Meine liebe Thea, das Schicksal hat nun über mich entschieden! Heute morgen um 7 Uhr wurde mir durch den Oberstabsrichter mein Todesurteil verlesen. In 2 Stunden ist die Hinrichtung durch Erschießen. Es ist mir noch unfassbar, aber es ist so. … Du brauchst Dich wegen meiner Hinrichtung nicht zu schämen, denn Du weißt wie ich, daß ich kein Verbrecher war, wohl ein Mensch, der eine Überzeugung hatte und nun für diese Überzeugung sterben muß.“

Triumph des Todes

Ich war heute im Felix-Nussbaum-Haus in Osnabrück.

Der Maler Felix Nussbaum verließ 1933 Deutschland um der Judenverfolgung zu entgehen. Ab 1940 versteckte er sich in Brüssel. Nach einer Denunziation wurde er 1944 mit 562 anderen Jüdinnen und Juden mit einem der letzten Transporte in das KZ Auschwitz deportiert. Dort wurde er ermordet.

Scham und Schuld

Paul Johannzen war Busfahrer. Kaum jemand kennt ihn. Es gibt noch nicht einmal ein Bild von ihm. Er hatte sich während des 2. Weltkrieges einen Radioapparat zugelegt, „feindliche“ Sender abgehört und mit anderen darüber gesprochen. Am 8.1.1945 wurde er hingerichtet.

Grünen-Bashing

Gestern lese ich auf LinkedIn in einem Kommentar unter einem Beitrag von „Gehirnwäsche der linksgrünen Sekte“, die „schamlos ihre Ideologie“ verbreitet, „die Wirtschaft zerstört“, „das Volk spaltet“, „jede abweichende Meinung bekämpft“, „hetzt, verleumdet und diffamiert“ und „über den ÖRR Gehirnwäsche betreibt“.

Hört mich jemand?

In meinem letzten Beitrag versuchte ich mir unter der Überschrift: Mit Laub- oder Kettensäge? Gehör zu verschaffen. Mit der Laubsäge in der Hand wollte ich ein Gegenbild zu dem Werbeplakat entwerfen, auf dem CDU-Politiker mit der Kettensäge unter der Losung posieren: „Es wird Zeit für den Grünschnitt“.

Mit Laub- oder Kettensäge?

WIE GEHT POLITISCHE STREITKULTUR?

Laub- statt Kettensäge? Ist komisch? Aber eigentlich nicht lustig!

Seit die Hetze gegen die Grünen immer absurdere Formen annimmt und die Herren von der CDU mit Kettensägen auf einem Wahlplakat posieren unter der Losung: „Es wird Zeit für den Grünschnitt“, wird über richtige Kommunikationsstrategien gestritten.