Über die Normalisierung rechtsextremen Gedankenguts

Höcke im Podcast. Millionenfach angeklickt. Harald Martenstein kommentiert das in der BILD mit den Worten: „Manche sind empört. Höcke dürfe man „kein Podium bieten“. Wer bestimmt das? Höcke ist eine relevante Person. Man will wissen, wie der ist. Man will sich selbst ein Urteil bilden.“ Und dann schreibt er noch an den Podcaster gerichtet: „Du hast alles richtig gemacht, Ben.“

Martenstein findet also, dass Höcke eine „relevante Person“ ist und alle sollen wissen, wie der tickt.

Über Merz, Mimosen und toxische Debatten

Ich weiß nicht, ob Friedrich Merz eine Mimose ist. In der Talkshow von Caren Miosga wollte er sich tapfer zeigen. Das ist mir aber eigentlich egal. Ich kenne ihn ja nicht. Was ich über ihn weiß, weiß ich nur aus der Zeitung und dem Fernsehen.

Da tritt er als unser Bundeskanzler in Erscheinung und soll die Richtlinien der Politik bestimmen. Wenn er dabei die Mimose spielt, spielt er im falschen Stück mit.

Sag‘ mir, wo die Blumen sind…

Die Bundesregierung kündigt seit Amtsantritt große Reformen an. Worin bestehen die? Es soll gespart werden! Am Bürgergeld, an Migranten, an Renten, an Inklusion, am Gesundheitswesen. Hab ich was vergessen? Ach was: An der Bundeswehr soll nicht gespart werden. Die soll in Zukunft in Europa eine Führungsrolle übernehmen.

Merkt ihr was? Es geht um Defizite und nicht um Möglichkeiten. Die Bundeswehr zähl ich mal nicht dazu. Die soll verhindern, dass alles noch schlimmer wird.

Dobrindt auf Entzug

Alexander Dobrindt ist mit dem wissenschaftlichen Zwischenbericht über die Cannabis-Legalisierung nicht zufrieden. Er hatte das Gesetz zur Teil-Legalisierung von Cannabis einen „vollkommenen Rohrkrepierer“ und ein „richtiges Scheiß-Gesetz“ genannt. Das steht in dem Bericht nicht drin.

Scham, Macht und Respekt

Die Scham soll die Seite wechseln, heißt es, wenn es um sexualisierte Gewalt geht. Das verändert die Machtverhältnisse. Warum? Beschämung ist eine Form von Machtausübung. Scham ist eine Ohnmachtserfahrung.

Respekt vor diesen oder umgekehrten Machtverhältnissen ist aber nur das eine. Respekt zwischen Menschen ist was anderes.

Ein Opfer rechtsextremistischer Gewalt: Alexander Selchow

Alexander Selchow ist in meiner Heimatstadt zur Schule gegangen. Ich habe ihn nicht gekannt. Er war fünfzehn Jahre jünger als ich.

In der Neujahrsnacht 1990/91 wurde er im Alter von 21 Jahren von zwei rechtsextremen Tätern niedergestochen. Er war auf dem Weg nach Hause gewesen. Er trug schwarze Klamotten und galt als „Gruffti“. Er hatte was gegen Nazis. Mit seiner Clique geriet er immer wieder mit ihnen aneinander. Gewaltsamen Konflikten aber ging er, so sagen seine Freunde, gewöhnlich aus dem Weg.