Wofür es keine Gedenkveranstaltung gibt

Mein Großvater war kein Widerstandskämpfer, wie man ihn sich vorstellt. Er galt als »Volksschädling«. Im KZ hatte er eine Nummer: die Nummer 48090. Er hatte sich in das politische Leben eingemischt, geriet in das Visier der Gestapo und damit in das dichte Netz von Denunzianten und Spitzeln, vor denen er nirgendwo sicher war: Seine Post wurde geöffnet, er wurde denunziert und Gespräche, die er mit seinen Freunden führte, wurden abgehört.

20. Juli 1944: Aus der Geschichte lernen

Heute, am 20. Juli jährt sich das sog. „Stauffenberg-Attentat“ zum 80. Mal. Anlass genug noch einmal aus einem Aufruf zum Schutz der Demokratie zu zitieren, der am 5.2.2024 in der Berliner Morgenpost erschienen ist und den mehr als 280 Nachkommen von Widerstandskämpfern gegen den Nationalsozialismus unterzeichnet haben, unter ihnen die Nachfahren von Dietrich Bonhoeffer, Claus Schenk Graf von Stauffenberg und Carl Friedrich Goerdeler.

Demokratie versus Diktatur

Anders als der einzelne Fisch, der sich in einem Schwarm bewegt, zeichnet sich der einzelne Mensch vor allem dadurch aus, dass er sich von anderen Menschen in seiner Einzigartigkeit unterscheidet. Er kann sich mit anderen Menschen nur verständigen, weil er von ihnen verschieden und in dieser Verschiedenheit auch einzigartig ist.

Verbal “abrüsten”? Auf keinen Fall!

Ein Tag nach dem Attentat auf Trump.

Alle sagen, man müsse verbal abrüsten. Alle sagen es. Weltweit. Es sickert durch alle Posts in den sozialen Medien. Biden sagt es. Scholz sagt es auch. Der König von Sowieso sagt es sowieso. Merz sagt es. Söder sagt es. Alle sagen unisono: Wenn wir nicht verbal abrüsten, dann…! Ja…! Was dann?

Die Macht der Bilder

Was ist hier los?

Trump wird angeschossen und unmittelbar danach erscheint ein scheinbar sorgfältig komponiertes Foto im Netz: Trump erhebt sich aus dem Umfeld der ihn umgebenden Menschen und ballt die Faust gegen den blauen Himmel, vor dem die amerikanische Flagge weht. Das Bild wirkt so, als ziehe er in den Kampf. In Wirklichkeit ist er gerade einem Attentat entkommen.

Kopf oder Bauch?

2 Meldungen gestern, die ich ganz unterschiedlich aufgenommen habe:

Die 1. Meldung:
Sachsens Innenminister Schuster fordert im Einklang mit Friedrich Merz „dringend einen Asylzugangsstopp, und zwar radikal“ inklusive „strengere Grenzkontrollen, Abschiebungen nach Afghanistan, den Aufbau von Bundesausreisezentren“ und eine „Abschiebeoffensive für Mehrfach- und Intensivstraftäter, die sofort beginnt“. Vordergründiger Anlass ist der Tod eines 20-Jährigen in Bad Oeynhausen, der mutmaßlich von einem 18-jährigen Syrer angegriffen wurde.

Was wir nicht ergriffen haben, werden wir nicht begreifen können.

Ich weiß nicht, ob Höcke dumm, Chrupalla unterbelichtet oder Weidel einfältig ist, auch wenn dafür Einiges spricht. Jenseits des Reflexes, sie so zu qualifizieren, stehen sie für ein Programm der Selbstüberhöhung und Diskriminierung. Sobald die Rechtsextremen allerdings selbst ins Kreuzfeuer der Kritik geraten, kehren sie den Spieß um und inszenieren sich als Opfer von Diskriminierung und Unterdrückung.

2:0 gegen die AfD

Fußball ist Fußball. Und Deutschland hat gegen Dänemark gewonnen. Das hat mit der von den Rechten ausgelösten und parallel geführten Debatte um Diversität und Anerkennung in unserer Gesellschaft nichts zu tun.

Aber in der Halbzeitpause werde ich eines Besseren belehrt, noch bevor das erste Tor gefallen ist. In den Nachrichten erfahre ich: Die AfD spielt nicht mit. Ihr ist die Nationalelf zu divers, zu bunt, zu wenig deutsch.