2:0 gegen die AfD

Fußball ist Fußball. Und Deutschland hat gegen Dänemark gewonnen. Das hat mit der von den Rechten ausgelösten und parallel geführten Debatte um Diversität und Anerkennung in unserer Gesellschaft nichts zu tun.

Aber in der Halbzeitpause werde ich eines Besseren belehrt, noch bevor das erste Tor gefallen ist. In den Nachrichten erfahre ich: Die AfD spielt nicht mit. Ihr ist die Nationalelf zu divers, zu bunt, zu wenig deutsch.

Es gibt keine Fußballspiele mit Migrationshintergrund.

Irgendjemand hat mich dank meines Piratentuches, mit dem ich mich vor der Sonne schütze, als Pirat bezeichnet. Das bin ich aber nicht. Ich biete lediglich die Projektionsfläche für die Klischees anderer Leute.

Das war auch mit dem Tweet von Katrin Göring-Eckhardt über die deutsche Nationalmannschaft so. Der löste einen Shitstorm aus, nachdem sie getwittert hatte: „Diese Mannschaft ist wirklich großartig. Stellt euch kurz vor, da wären nur weiße deutsche Spieler!“ Es wurde ihr u.a. weißer Rassismus vorgeworfen. Ihr Tweet war aber lediglich die Projektionsfläche für die Phantasien anderer Leute.

Mit Populisten reden ist wie Schattenboxen

In der letzten Woche habe ich auf LinkedIn mit Populisten diskutiert — das war wie Schattenboxen. Ich habe mich danach gefragt, wie Urteile entstehen.

Beispiel Wetter: Ich habe den Verdacht, dass es heute regnen wird. Der Grund: Der Himmel ist grau. Um mich zu vergewissern, lese ich den Wetterbericht. Nachdem ich das gemacht habe, kann ich mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass es heute regnen wird.

Brandmauer und Fegefeuer

Joshua Kimmich hat die Umfrage des WDR über Diversität im Fußball als „absolut kontraproduktiv“ bezeichnet. Finde ich auch. Das Ergebnis der Umfrage ist es umso mehr. 21% der Befragten fanden es besser, wenn mehr Spieler mit weißer Hautfarbe in der deutschen Nationalmannschaft spielen.

Einen Standpunkt zu vertreten hat nichts mit Mehrheiten zu tun.

Ich habe mich gestern zum Wahlausgang geäußert und mich dabei der Strommetapher bedient. Ich habe mich gefragt, was es heißt mit oder gegen den Strom zu schwimmen.

Darauf ist mir vorgehalten worden, man könne zwar gegen den Strom schwimmen, wäre dann – im Falle der Grünen – bei der kommenden Bundestagswahl von der Bildfläche verschwunden. Immerhin verlasse man dann die politische Bühne in dem Gefühl moralischer Überlegenheit, aber man habe nichts erreicht.

„singulär plural sein“: Über das Schwimmen gegen den Strom.

Ich weiß nicht, ob ich mich mit diesem Post beliebt mache. Das ist mir egal.

Von rechts kommt als Reaktion auf den Wahlausgang: Haben wir es nicht gleich gesagt? Die Grünen können es nicht! Jetzt haben sie die Quittung bekommen. Sie übertreiben es mit der Energiewende, ruinieren die Wirtschaft und in der Migrationspolitik „treten sie als Bremser auf“. Sie sollten ihre politische Agenda überdenken!

Werdet laut!

Heute lese ich in einem Beitrag auf LinkedIn:
„Es bringt wenig, jetzt „lauter zu werden“ oder AfD-Wähler als dumm oder Nazis zu bezeichnen. Die Reaktionen auf das Wahlergebnis sind ein Symptom moralischer Überheblichkeit und mangelnder Selbstreflexion. Wir brauchen keine Belehrungen, sondern politische Lösungen, die reale Ängste ansprechen: Angst vor unkontrollierter Einwanderung / Angst vor wirtschaftlichem Abstieg / Angst vor sozialer Ungerechtigkeit.“

Momentmal!

Wo Unrecht zu Recht wird…

„Meine liebe Thea, das Schicksal hat nun über mich entschieden! Heute morgen um 7 Uhr wurde mir durch den Oberstabsrichter mein Todesurteil verlesen. In 2 Stunden ist die Hinrichtung durch Erschießen. Es ist mir noch unfassbar, aber es ist so. … Du brauchst Dich wegen meiner Hinrichtung nicht zu schämen, denn Du weißt wie ich, daß ich kein Verbrecher war, wohl ein Mensch, der eine Überzeugung hatte und nun für diese Überzeugung sterben muß.“