Was ist das bloß für eine Gesprächskultur?
Spahn, Söder, Merz — und wie sie alle heißen — liefern den Rechtsextremen laufend die Vorlagen, auf denen ihr reaktionäres Gedankengut gedeihen kann. So hat Spahn gerade in einem Interview die Begriffe „Migration“, „Wirtschaftswachstum“, „Taurus“ und „Kiffen“ wahllos miteinander verknüpft und damit ein Narrativ wiederholt, in dem er sich nicht nur selbst bestätigt sehen kann, sondern an dem sich auch die Faschisten bedienen können.
Kategorie: Elementor-2024
„Dummdeutsch“
Klaus Philipp Mertens hat 2016 eine Abhandlung über die Sprache ins Netz gestellt, die ich hier zitieren möchte, um die gegenwärtig grassierende Polemik und daraus folgende Gewalt gegen die Grünen zu kommentieren.
Sprache der Gewalt
Ich mag Lindner nicht. Diesen aufgeblasenen Porsche-Fahrer. Und erst recht nicht den Merz, der von seinem Nazi-Großvater schwärmt. Ganz zu schweigen vom CDU-Generalsekretär, dessen Namen ich vergessen habe. Der, der immer noch einen Konfirmationsanzug trägt. Oder Chrupalla, der so einen unterbelichteten Eindruck macht, der von der deutschen Leitkultur faselt und kein deutsches Gedicht aufsagen kann!
Das Auge ist ein blinder Fleck
Sehen ist nicht etwas, das uns passiert, sondern etwas, das wir tun. Unser Blick kann nicht nur etwas zur Erscheinung bringen, sondern Anderes auch zum Verschwinden. Wer wegsieht, braucht seine Augen nicht zu verschließen. Sein Blick ist es, der zum Schweigen bringt, was jeder sehen kann. Wie ist das möglich?
„Man hätte es wissen müssen“
Sascha Lobo hat 2017 einen bemerkenswerten Aufsatz im „Spiegel“ veröffentlicht — und ich denke mir: Das ist doch 7 Jahre her! Und dann sehe ich den aktuellen Internetauftritt von Tino Chrupalla vor mir, der sagt, die AfD sei eine Partei des Grundgesetzes.
Sprache
Es mag eine Strategie der Rechtsextremisten sein, in einer 180-Gradwendung jene Begriffe auf ihre Gegner zu projizieren, mit denen sich ihr eigenes Programm charakterisieren lässt: Diktatur, Ausschaltung der Opposition, Faschismus. In einer vornehmlich gegen die Grünen gerichteten parteiübergreifenden Kampagne findet sich ihre Polemik wieder in Vokabeln wie: Verbotspolitik, Ideologie oder Wahnsinn.
Vom Verschieben moralischer Grenzen
Ich hatte die umstrittene Talkshow von Maybrit Illner am 15.2. mit Storch und Wagenknecht nur kurz eingeschaltet. Die Diskussion nahm gerade eine entscheidende Wendung, als Beatrix von Storch von der Spiegel-Redakteurin Amann mit einem Facebook-Eintrag konfrontiert wurde, in dem Storch 2016 erklärt hatte, dass man gegen Asylberber*innen an der Grenze auch Schusswaffen einsetzen könne.
Das Medium ist die Botschaft
„Wir haben keine kleinste gemeinsame Wirklichkeit mehr“, behauptet die Wissenschaftsjournalistin Mai Thi Nguyen-Kim. Ist das wirklich so? Welche Wirklichkeit ist gemeint? Ist die Wirklichkeit gemeint, die sich uns über sprachliche oder digitale Medien vermittelt?
Eine deutsche Leitkultur gibt es nicht
Am 2.2.2024 kritisierten über 200 Kunstschaffende die Entscheidung der Festivalleitung der Berlinale, Politiker der AfD zur Eröffnung der Festspiele einzuladen. Diese Einladungen wurden inzwischen wieder zurückgezogen. Das hat gute Gründe.
Über Rassisten, Täter und Trittbrettfahrer
„Wir müssen endlich im großen Stil abschieben“, hatte Olaf Scholz am 20.10.2023 im Spiegel gesagt und fast zeitgleich pöbelte Friedrich Merz im Fernsehen gegen Migrant*innen. Drei Monate später deckte Correctiv das Geheimtreffen von Rechtsextremisten und ihre Deportationspläne auf. Das hatte eine in Deutschland noch nie dagewesene Massenbewegung gegen Rechts ausgelöst.