Moral oder Macht?

Die Union und allen voran Markus Söder schießt sich auf die Linken ein. Sachsen-Anhalt mit einer drohenden rechtsextremistischen Regierung ist vergessen. Berlin wird gefährlich. Warum? Weil die Union sich rechts definieren will. In Berlin kommen angeblich „Linksextremisten“ an die Macht.

Das verkauft sich am Besten mit der Moralkeule. Nichts eignet sich da besser, als der Vorwurf des Antisemitismus, der gebetsmühlenartig wiederholt wird. Der Antisemitismus hat zwar in Deutschland eine ganz andere politische Heimat und Geschichte. Aber egal! Oder — um mit Alice Weidel diese Geschichte auf den Kopf zu stellen: „Hitler war ein Linksextremist“.

Naja. Dann passt das ja auch wieder. Und niemand erinnert sich, wer die Juden verfolgt und wer den Nationalsozialisten bei der Machtergreifung ihre Stimmen gegeben hat. Weil es keine Brandmauern gab. Von wegen Erinnerungskultur!

Das macht mich sauer, weil es so verlogen ist!

Moral ist was anderes. Moral ist das, was ich tue. Es ist nicht das, was ich aus taktischen Gründen in Erwägung ziehe oder ins Parteiprogramm schreibe!

Oder anders herum: Die Union schwingt die Moralkeule. Dahinter aber ist keine Moral. Und es sind auch keine Politiker, die moralisch handeln. Ich sehe nur Schubladen, die sie aufziehen oder in die sie andere stecken wollen.

Oder um es mit Hannah Arendt zu sagen:
„In der Moral geht es um das Individuum in seiner Einzigartigkeit. Das Kriterium von Recht und Unrecht, die Antwort auf die Frage: Was soll ich tun?, hängt in letzter Instanz weder von Gewohnheiten und Sitten ab, die ich mit Anderen um mich Lebenden teile, noch von einem Befehl göttlichen oder menschlichen Ursprungs, sondern davon, was ich im Hinblick auf mich selbst entscheide.“

Das Streben nach Macht gehört nicht dazu.

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