Peter Sinapius
Hier erscheinen in unregelmäßigen Abständen Beiträge zum aktuellen Zeitgeschehen, zu Kunst und Gesellschaft, Tagebucheintragungen sowie philosophische und literarische Notizen.

Ich bin kein Fisch im Schwarm.

Heute wird in Sachsen-Anhalt gewählt.

Ich weiß nicht, ob Goethe oder Schiller AfD wählen würden. Kann ich mir ehrlich gesagt nicht vorstellen. Aber die AfD nimmt sie schonmal als Vertreter der deutschen Leitkultur in Anspruch. Sie können sich ja nicht mehr wehren.

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Nicht deutsch genug.

Der Wassily Chair wird so genannt wird, weil Wassily Kandinsky so einen besessen haben soll. Es ist ein 1925 von Marcel Breuer am Bauhaus entworfener Stahlrohrstuhl. Wäre es ein Biedermeier-Stuhl, wäre das für die AfD in Sachsen-Anhalt kein Thema.

Der Wassily Chair ist aber ein Designklassiker aus dem Bauhaus. Und das hat die AfD in Sachsen-Anhalt zu ihren kulturpolitischen Hauptfeind erklärt.

Die historischen Parallelen scheinen sie nicht zu stören: Die Nationalsozialisten hatten auch schon das Bauhaus im Visier. 1933 wurde das Bauhaus von ihnen kurzerhand geschlossen. Nicht deutsch genug.

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Rick Langenstein: Ein Opfer rechtsextremer Gewalt

Stell dir vor, du verlässt nach einer durchtanzten Nacht die Diskothek und machst dich auf den Weg nach Hause. An einer Bushaltestelle triffst du auf einen Typen mit frisch rasierter Glatze, Nackentätowierung, Kaputzenjacke und Springerstiefeln, der dich um eine Zigarette anhaut. Du guckst ihn an und sagst, dass du Hobby-Nazis keine Zigarette gibst. Er antwortet mit einem Schlag in dein Gesicht und haut mit seinen Quarzhandschuhen so lange auf dich ein, bis du am Boden liegst und das Bewusstsein verlierst.

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Diskriminierende Logiken

„Hol dir dein Land zurück“, plakatiert die AfD in Sachsen-Anhalt.

Wen meint sie eigentlich? Wer soll von wem sein Land zurückholen?

Die Deutschen ihr Land von den Ausländern? Die deutsche Mutti ihr Land von der queeren Community? Der deutsche Gartenzwerg sein Land von den Wildblumen? Der deutsche Vati sein Land von der „herrschenden Elite“?

Egal! Wahrscheinlich passt alles, wo man draufhauen kann, um sich selbst zu definieren.

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Opfer oder Täter?

Vor zehn Jahren wurde der syrische Flüchtlingsjunge Alan Kurdi tot an der türkischen Ägäis-Küste angeschwemmt. Er lag in blauer Hose und rotem T-Shirt bäuchlings im Sand. Das Bild ging um die Welt.

Das Bild, das im Augenblick von Flüchtlingen gezeichnet wird, ist ein anderes: Die Flüchtlinge sind keine Opfer. Sie werden als „Bedrohung“ dargestellt. Zehntausende Migranten hatten in den vergangenen Tagen von Marokko aus die spanische Exklave Ceuta erreicht. Inzwischen ist ein Großteil von ihnen zurückgekehrt.

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Alle Achtung, Herr Merz…

…Sie haben den Anschlag auf die queere Community unmissverständlich verurteilt und ihn als „Angriff auf unsere Freiheit“ bezeichnet.

Ja, das war er!

Was für Schlüsse ziehen Sie jetzt daraus?

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