Peter Sinapius
Hier erscheinen in unregelmäßigen Abständen Beiträge zum aktuellen Zeitgeschehen, zu Kunst und Gesellschaft, Tagebucheintragungen sowie philosophische und literarische Notizen.

Diskriminierende Logiken

„Hol dir dein Land zurück“, plakatiert die AfD in Sachsen-Anhalt.

Wen meint sie eigentlich? Wer soll von wem sein Land zurückholen?

Die Deutschen ihr Land von den Ausländern? Die deutsche Mutti ihr Land von der queeren Community? Der deutsche Gartenzwerg sein Land von den Wildblumen? Der deutsche Vati sein Land von der „herrschenden Elite“?

Egal! Wahrscheinlich passt alles, wo man draufhauen kann, um sich selbst zu definieren.

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Opfer oder Täter?

Vor zehn Jahren wurde der syrische Flüchtlingsjunge Alan Kurdi tot an der türkischen Ägäis-Küste angeschwemmt. Er lag in blauer Hose und rotem T-Shirt bäuchlings im Sand. Das Bild ging um die Welt.

Das Bild, das im Augenblick von Flüchtlingen gezeichnet wird, ist ein anderes: Die Flüchtlinge sind keine Opfer. Sie werden als „Bedrohung“ dargestellt. Zehntausende Migranten hatten in den vergangenen Tagen von Marokko aus die spanische Exklave Ceuta erreicht. Inzwischen ist ein Großteil von ihnen zurückgekehrt.

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Alle Achtung, Herr Merz…

…Sie haben den Anschlag auf die queere Community unmissverständlich verurteilt und ihn als „Angriff auf unsere Freiheit“ bezeichnet.

Ja, das war er!

Was für Schlüsse ziehen Sie jetzt daraus?

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Mehmet Kaymakçi: Erschlagen, weil er Türke war

1983 erreichte die Ausländerfeindlichkeit in Deutschland einen vorläufigen Höhepunkt. Die Bundesregierung unter Helmut Kohl beschloss ein sog. „Rückführungsgesetz“, weil — wie sich der seinerzeit amtierende Bundesinnenminister Zimmermann ausdrückte — die Zuwanderung von Ausländern eine Bedrohung für „die Homogenität der Gesellschaft“, d.h. für die „deutsche Geschichte, Tradition, Sprache und Kultur“ geworden sei.

Am 24. Juli 1985 wird diese rassistische Drohkulisse für Mehmet Kaymakçı zur tödlichen Gewissheit.

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„Deutsch denken“

Es gibt Leute, die erklären die antifaschistische Bewegung zur politischen „Folklore“ oder einfach zur eigentlichen Gefahr für die Demokratie. Die AfD sei eine ganz „normale“ Partei. Die könne man ja „inhaltlich stellen“.

Ich will das mal versuchen.

Die AfD in Sachsen-Anhalt hat gestern einen Zehn-Punkte-Plan vorgestellt, zu dem an zentraler Stelle die Landeskampagne „deutschdenken“ gehört. Was man darunter verstehen kann, hatte Vordenker Höcke vor wenigen Tagen in Erfurt unter dem Jubel der Delegierten zum Besten gegeben.

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Wissen Sie was, Ulf Poschardt,

die Überschrift Ihrer gestrigen Kolumne auf der Titelseite der WELT wirkt auf mich wie eine Drohung: „Es ist vorbei, bye, bye, Antifa!“. Um es vorauszuschicken: Es ist nicht vorbei!

Die Wirklichkeit ist nicht das, was Sie aus ihr machen.

Man kann sich in ganz unterschiedlicher Weise eine Meinung bilden. Man kann die Wirklichkeit zum Ausgangspunkt nehmen, kurz das, was wir verkürzt „Fakten“ nennen. Dann macht man sich ein Bild.

Oder man schickt das Bild der Wirklichkeit voraus und stattet sie mit Bedeutungen aus, die einem in den Kram passen. Das ist dann so etwas wie „Ideologie“.

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