Rick Langenstein: Ein Opfer rechtsextremer Gewalt

Stell dir vor, du verlässt nach einer durchtanzten Nacht die Diskothek und machst dich auf den Weg nach Hause. An einer Bushaltestelle triffst du auf einen Typen mit frisch rasierter Glatze, Nackentätowierung, Kaputzenjacke und Springerstiefeln, der dich um eine Zigarette anhaut. Du guckst ihn an und sagst, dass du Hobby-Nazis keine Zigarette gibst. Er antwortet mit einem Schlag in dein Gesicht und haut mit seinen Quarzhandschuhen so lange auf dich ein, bis du am Boden liegst und das Bewusstsein verlierst.

Das ist die Geschichte von Rick Langenstein. Er hatte sein Leben vor sich. Er hatte gerade sein Abitur am Sophie-Scholl-Gymnasium in Magdeburg gemacht und wollte an der Kunsthochschule Braunschweig Kunst studieren. Rick Langenstein erlag noch am Tatort seinen schweren Verletzungen.

Der Täter, der der Polizei bereits seit 2003 als „rechter Gewalttäter“ bekannt und seit mehreren Jahren im rechtsextremen Kameradschaftsspektrum in Magdeburg aktiv gewesen war, wurde wegen Totschlag zu einer Jugendhaftstrafe von acht Jahren verurteilt. Heute würde er vielleicht zu den „Sächsischen Separatisten“ gehören, einer terroristischen Vereinigung, die Björn Höcke unbedingt in der AfD haben will.

Um die Tat als Mord einzustufen, fehlten aus Sicht der Richter sogenannte “niedrige Beweggründe”. Der Angriff sei „spontan aus der Begegnung“ erfolgt.

Unter dem Druck der Öffentlichkeit wurde 2009 Rick Langenstein von der Landesregierung offiziell als Opfer rechter Gewalt anerkannt. Am 2. Juni 2009 wurde auf städtischem Gelände ein Gedenkstein in Sichtweite zum Tatort eingeweiht.

Rick Langenstein ist noch nicht einmal 20 Jahre alt geworden.

Er fehlt.


Abbildung: Rick Langenstein. Acryl auf Büttenkarton, 70x80cm, 2026

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