Vor zehn Jahren wurde der syrische Flüchtlingsjunge Alan Kurdi tot an der türkischen Ägäis-Küste angeschwemmt. Er lag in blauer Hose und rotem T-Shirt bäuchlings im Sand. Das Bild ging um die Welt.
Das Bild, das im Augenblick von Flüchtlingen gezeichnet wird, ist ein anderes: Die Flüchtlinge sind keine Opfer. Sie werden als „Bedrohung“ dargestellt. Zehntausende Migranten hatten in den vergangenen Tagen von Marokko aus die spanische Exklave Ceuta erreicht. Inzwischen ist ein Großteil von ihnen zurückgekehrt.
Dass mindestens 72 Menschen bei ihrer Flucht ertrunken sind, ist in der öffentlichen Darstellung nur eine Randnotiz.
Kritiker werfen Spanien eine zu liberale Migrationspolitik vor. Sie sei nicht in der Lage, die Außengrenzen der EU zu schützen. Vor wem eigentlich? Vor Menschen, die schwimmend eine Grenze überwinden und dabei ertrinken?
Inzwischen ist klar, das die Flüchtlinge für Machtinteressen missbraucht wurden. Und die verwirklichen sich da, wo man aus Flüchtlingen Eindringlinge macht.
Wer kennt das nicht? Da passiert etwas, mit dem man nicht gerechnet hat und schon macht man sich auf die Suche nach dem Schuldigen. Das ist eine verlockende Art, sich die Welt zu erklären. Man fragt sich nicht, was und warum etwas passiert ist, sondern sucht nach einem Täter, dem man die Schuld in die Schuhe schieben kann.
Und wenn man den Schuldigen gefunden hat, braucht man sich um das eigentliche Problem nicht mehr zu kümmern. Dann dreht man den Spieß um und zeigt seine Macht. Was interessieren da noch Menschen, die im Meerwasser untergehen.
Wer flüchtet, ist kein Täter.
Täter üben Macht aus.
Zu einem Opfer wird man gemacht.