
Unter der Losung „Nie wieder ist Jetzt!“ formiert sich seit 2025 der Widerstand gegen die Rechtsextremisten. Die Junge Union hat jetzt diese Losung für sich entdeckt und ließ sie bei ihrem Deutschland-Tag auf der LED-Wand hinter dem Podium in großen Lettern aufleuchten.
„Herzlich willkommen!“, möchte man sagen — wenn sie die Losung nicht mit einem alten Trick in ihr Gegenteil verkehren würde: Der rhetorischen Umkehr.
Ursprünglich entstand die Losung „Nie wieder ist jetzt!“ als Reaktion auf die genozidale Gewalt der Hamas am 7. Oktober 2023 in Israel und entwickelte sich dann zu einem Motto gegen die rassistischen Vertreibungsphantasien, die bei dem rechtsextremen „Geheimtreffen“ im November 2024 in Potsdam diskutiert worden waren.
Hunderttausende gingen daraufhin gegen die Rechtsextremisten auf die Straße. Ich erinnere mich nicht daran, dass die Junge Union dabei gewesen war. Jetzt aber versucht sie dieser Bewegung den Wind aus den Segeln zu nehmen, indem sie ihr Motto für sich reklamiert.
Dabei nutzt sie ein Muster, das wir schon von der AfD kennen: Die gezielte Verdrehung von Täter- und Opferrollen, um sich politisch Vorteile zu verschaffen. Sie behauptet einfach, der wirkliche Antisemitismus drohe von links. Gleich dem ertappten Dieb zeigt sie auf andere und schreit: „Haltet den Dieb!“.
Das Kalkül: Wenn die „Linken“ ein Antisemitismus-Problem haben, rückt die extreme Rechte aus dem Blickfeld. Dann kann man mit der ja reden. Die Brandmauer wird umgebaut.
Das Problem: Ein rhetorischer Trick ändert nichts an der Wirklichkeit. Die Rassisten greifen schon zur Macht. Dagegen richtet sich der Widerstand.
Sonst ist „Nie wieder!“ vorbei.