Über die Normalisierung rechtsextremen Gedankenguts

Höcke im Podcast. Millionenfach angeklickt. Harald Martenstein kommentiert das in der BILD mit den Worten: „Manche sind empört. Höcke dürfe man „kein Podium bieten“. Wer bestimmt das? Höcke ist eine relevante Person. Man will wissen, wie der ist. Man will sich selbst ein Urteil bilden.“ Und dann schreibt er noch an den Podcaster gerichtet: „Du hast alles richtig gemacht, Ben.“

Martenstein findet also, dass Höcke eine „relevante Person“ ist und alle sollen wissen, wie der tickt.

Naja: Höcke ist kein Ungeheuer. Er ist erschreckend „normal“. So „normal“ wie sein Kommentator Martenstein. Genau das aber ist das Problem: Die Normalisierung des Unsagbaren. „Man“ soll Höcke verstehen, um für das Unsagbare empfänglich zu werden.

Und das passiert im Augenblick auf allen Kanälen: Die Entpolitisierung rechtsextremen Gedankenguts. Es heißt dann „Stadtbild“, „Demographie“ oder einfach „Mathematik“.

Konstantin Wecker hatte darauf 1993 die Antwort. Sage nein!

Das Video zeigt einen Auftritt aus dem Jahr 2009. Das ist lange her.

Es ist aber leider nicht von gestern:

Wenn sie jetzt ganz unverhohlen
wieder Nazi-Lieder johlen,

über Juden Witze machen,

über Menschenrechte lachen,

wenn sie dann in lauten Tönen

saufend ihrer Dummheit frönen,

denn am Deutschen hinterm Tresen

muß nun mal die Welt genesen,

dann steh auf und misch dich ein:

Sage nein!

Meistens rückt dann ein Herr Wichtig

die Geschichte wieder richtig,

faselt von der Auschwitzlüge,

leider kennt man´s zur Genüge –

mach dich stark und misch dich ein,

zeig es diesem dummen Schwein:

Sage nein!

Ob als Penner oder Sänger,

Bänker oder Müßiggänger,

ob als Priester oder Lehrer,

Hausfrau oder Straßenkehrer,

ob du sechs bist oder hundert,

sei nicht nur erschreckt, verwundert,

tobe, zürne, misch dich ein:

Sage nein!

Und wenn aufgeblasne Herren

dir galant den Weg versperren,

ihre Blicke unter Lallen

nur in deinen Ausschnitt fallen,

wenn sie prahlen von der Alten,

die sie sich zu Hause halten,

denn das Weib ist nur was wert

wie dereinst – an Heim und Herd,

tritt nicht ein in den Verein:

Sage nein!

Und wenn sie in deiner Schule

plötzlich lästern über Schwule,

schwarze Kinder spüren lassen,

wie sie andre Rassen hassen,

Lehrer, anstatt auszusterben,

Deutschland wieder braun verfärben,

hab dann keine Angst zu schrein:

Sage nein!

Ob als Penner oder Sänger,

Bänker oder Müßiggänger,

ob als Priester oder Lehrer,

Hausfrau oder Straßenkehrer,

ob du sechs bist oder hundert,

sei nicht nur erschreckt, verwundert,

tobe, zürne, misch dich ein:

Sage nein!

Ob als Penner oder Sänger…

Sag nein!

Sag nein!

Sag nein!

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