Mehmet Kaymakçi: Erschlagen, weil er Türke war

1983 erreichte die Ausländerfeindlichkeit in Deutschland einen vorläufigen Höhepunkt. Die Bundesregierung unter Helmut Kohl beschloss ein sog. „Rückführungsgesetz“, weil — wie sich der seinerzeit amtierende Bundesinnenminister Zimmermann ausdrückte — die Zuwanderung von Ausländern eine Bedrohung für „die Homogenität der Gesellschaft“, d.h. für die „deutsche Geschichte, Tradition, Sprache und Kultur“ geworden sei.

Am 24. Juli 1985 wird diese rassistische Drohkulisse für Mehmet Kaymakçı zur tödlichen Gewissheit. Er trifft in einer Hamburger Kneipe auf drei Skinheads. Er wird von ihnen rassistisch beleidigt und streitet mit ihnen über die aktuelle Ausländerpolitik. Als er am frühen Morgen die Kneipe verlässt, um nach Hause zu gehen, folgen ihm die Skinheads und prügeln ihn zu Boden. Dann schleifen sie ihn schwer verletzt in ein Gebüsch und erschlagen ihn mit einem 94 Kilo schweren Betonklotz.

Die Mörder werden kurze Zeit später verhaftet. „Wir wollten den Türken fertigmachen“, geben sie zu Protokoll. Vom Hamburger Landgericht werden sie zu acht bzw. sieben Jahren Haft nach Jugendstrafrecht verurteilt. Dabei machen Staatsanwaltschaft und Gericht aus dem rassistischen Mord allerdings eine Wirtshausschlägerei. Das rassistische Motiv blenden sie aus.

Mehmet Kaymakçi hatte eine deutsche Frau und zwei Stiefkinder. Er war in der türkischen Stadt Haymana südlich von Ankara mit sieben Geschwistern aufgewachsen. 1980 kam er gemeinsam mit seinem Onkel nach Deutschland und verdiente sein Geld im Tiefbau. Infolge einer chronischen Erkrankung verlor er seinen Arbeitsplatz und wurde arbeitslos.

Sein Neffe Yener Kaymakçı beschreibt ihn als liebevollen Onkel: „Ich war 6 Jahre alt, als mein Onkel ermordet wurde. Immer wenn er während seines kurzen Lebens nach Haymana kam, brachte er mir Pralinen, Bonbons und Spielzeug mit. An einem Tag im Sommer redeten die Familienmitglieder wieder darüber, dass Onkel Mehmet kommt. Ich war außer mir vor Freude. Statt meines Onkels, der mir Leben und Freude schenkte, kam ein schwarzer Sarg aus Hamburg nach Haymana.“

Der Mord an Mehmet Kaymakçi ist mehr als 40 Jahre her. Heute erinnert an der Stelle, wo er ermordet wurde, ein Gedenkstein an ihn.

Das Thema Migration aber scheint eine populistische Endlosschleife zu sein, deren rassistische Rhetorik bis in die Gegenwart reicht. Diejenigen, die sie in Gang halten, tragen wahlweise Schlips und Kragen oder — Springerstiefel.

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