Der Ball ist rund…

…und soll ins Tor gehen, damit „wir“ das Spiel gewinnen. Oder?

Wir sind gewohnt, die Dinge in erster Linie durch ihren Zweck zu definieren: Der Ball muss ins Tor gehen, damit wir das Spiel gewinnen, so wie ein Buch zum Lesen da ist, damit wir die Prüfung schaffen oder ein Stuhl zum Sitzen, damit wir in den Buch lesen können.

Mit dieser Logik gehen wir durchs Leben: Ich spiele Ball, damit ich das Spiel gewinne. Ich lese das Buch, damit ich die Prüfung schaffe. Ich setze mich in den Stuhl, um zu lesen. Wir haben ein Ziel und der Ball, das Buch oder der Stuhl bringt uns dorthin.

Nach dieser Logik funktioniert alles, das durch das Verhältnis von Weg und Ziel bestimmt ist. Unsere Leistungsgesellschaft ist nach dieser Logik konstruiert.

Was aber passiert, wenn das Medium, das mich zum Ziel befördern soll, selbst in den Vordergrund tritt? Die Geschichte in dem Buch, in die ich versinke. Der Stuhl, in den ich mich fallen lasse — oder der Ball, der ins Tor gehen soll.

Dann bin ich eins mit dem, was ich tue.

Oder — um mit Hans-Georg Gadamer zu sprechen: „Nur dann erfüllt ja Spielen den Zweck, den es hat, wenn der Spielende im Spielen aufgeht. Nicht der aus dem Spiel heraus weisende Bezug auf den Ernst, sondern nur der Ernst beim Spiel lässt das Spiel ganz Spiel sein. Wer das Spiel nicht ernst nimmt, ist ein Spielverderber. Die Seinsweise des Spieles läßt nicht zu, daß sich der Spielende zu dem Spiel wie zu einem Gegenstande verhält.“

Gadamer, H.-G. (1990): Wahrheit und Methode – Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik. Tübingen: Mohr.

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