„Deutsch denken“

Es gibt Leute, die erklären die antifaschistische Bewegung zur politischen „Folklore“ oder einfach zur eigentlichen Gefahr für die Demokratie. Die AfD sei eine ganz „normale“ Partei. Die könne man ja „inhaltlich stellen“.

Ich will das mal versuchen.

Die AfD in Sachsen-Anhalt hat gestern einen Zehn-Punkte-Plan vorgestellt, zu dem an zentraler Stelle die Landeskampagne „deutschdenken“ gehört. Was man darunter verstehen kann, hatte Vordenker Höcke vor wenigen Tagen in Erfurt unter dem Jubel der Delegierten zum Besten gegeben.

Er hatte die Teilnehmer der Demonstrationen gegen den Parteitag als „krank“ qualifiziert und gesagt: „Das sind Menschen, denen man nicht ermöglicht hat, eine gesunde Identität auszubilden. Das sind Seelen-Verwundete, wie ich sie nenne. Und auch das ist eine Aufgabe unserer AfD, Normalität herzustellen, zu heilen…Wir müssen unsere Identität wiedergewinnen.“

An was erinnert das?

Das entspricht ziemlich genau dem Totalitätsgrundsatz der Nationalsozialisten, mit dem jede von der „Gesamtwillensbildung“ des „deutschen Volkes“ abweichende Meinung als „Krankheitserscheinung“ charakterisiert wurde. Werner Best, der juristische Experte der Gestapo, formulierte das 1936 in seinem Kommentar zu der dritten Ausgabe des »Gestapo-Gesetzes« so:

„Der politische Totalitätsgrundsatz … duldet keine politische Willensbildung in seinem Bereiche, die sich nicht der Gesamtwillensbildung einfügt. Jeder Versuch, eine andere politische Auffassung durchzusetzen oder auch nur aufrechtzuerhalten, wird als Krankheitserscheinung, die die gesunde Einheit des unteilbaren Volksorganismus bedroht, ohne Rücksicht auf das subjektive Wollen seiner Träger ausgemerzt“.

Das ist dann auch passiert.

Anfangs waren es vor allem die politischen Gegner, die als „Volksschädlinge“ in die neu geschaffenen Konzentrationslager gesteckt wurden. Es folgten Homosexuelle, sogenannte „Asoziale“ und – in immer stärker zunehmender Zahl – Juden sowie Sinti und Roma.

Eine Vorbildfunktion hatte das Konzentrationslager Dachau. Da wurde mein Großvater von der Gestapo hingebracht, weil er als „Volksschädling“ galt.

Die Losung, unter der das Konzentrationslager Dachau betrieben wurde, hatte sich Heinrich Himmler ausgedacht. Sie war in großen Lettern zu lesen auf der zum Appellplatz ausgerichteten Dachseite des Wirtschaftsgebäudes, vor dem die Gefangenen zum Appell anzutreten hatten. Sie lautete: „Es gibt einen Weg zur Freiheit. Seine Meilensteine heißen: Gehorsam, Fleiß, Ehrlichkeit, Ordnung, Sauberkeit, Nüchternheit, Wahrhaftigkeit, Opfersinn und Liebe zum Vaterland“.

So ähnlich muss man sich „Deutsch denken“ vorstellen.

Mein Großvater war Gegner der Nationalsozialisten und bekennender Christ. Im Konzentrationslager war er nur noch eine Nummer: die Nummer 48090.

Er hat das Konzentrationslager nicht überlebt.

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