Gestern in der Talk-Show bei Maybrit Illner einhellige Empörung: Die Debatte um einen Kanzlerwechsel bringe doch nichts! Merz durch Wüst austauschen? Warum bloß!
Wirklich?
In der ZEIT hat Volker Weidermann den Bundeskanzler mit dem Trainer von Bayern München Vincent Kompany verglichen. Der eine, der Trainer von Bayern München, bringt die Mannschaft hinter sich und führt sie zum Erfolg, der andere, Bundeskanzler Friedrich Merz, schafft das nicht.
Und warum gelingt es dem einen und dem anderen nicht?
Volker Weidermann beschreibt Vincent Kompany als einen Mann, „der Dinge nicht zu ernst nimmt, die man wirklich nicht ernst nehmen muss, der in gesellschaftspolitisch wichtigen Momenten aber mit Klarheit, Empathie und Entschlossenheit Position bezieht und diese unmissverständlich und nachvollziehbar erklärt. Der jedem Gegner mit so viel Respekt begegnet, dass man sie beinahe mit Liebe verwechseln kann, zumindest mit großer Empathie.“
Mmmmh! Ich male mir gerade einen Bundeskanzler mit diesen Fähigkeiten aus. Ich möchte Friedrich Merz nicht unterstellen, dass er über keine Empathie verfügt. Aber: Er lässt es sich nicht anmerken!
Natürlich kann man einen Bundeskanzler nicht mit dem Trainer einer Fußballmannschaft vergleichen. In diesem Fall sollte man es aber vielleicht mal versuchen.
Trainerwechsel im Fußball sind jedenfalls nicht ungewöhnlich. Wenn die Mannschaft absteigt, kann man sie ja nicht einfach austauschen oder einfach nur eine neue PR-Kampagne starten. Man muss den Trainer wechseln.
Klingelt es?
Ja? Wenn’s mit dem Regieren nicht klappt, kann man eben auch nicht einfach die Wähler austauschen oder dem SPIEGEL ein selbstmitleidiges Interview geben. Es braucht jemanden, der die Mannschaft wieder zusammenbringt, die den Ball spielt.
Ich weiß nicht, ob der neue Trainer — sorry, der neue Bundeskanzler — „Wüst“ heißen muss.
Aber man muss verhindern, dass er Hecke oder so ähnlich heißt.
Das wäre das ultimative Aus!