Das war meine erste Reaktion auf den Wahlausgang in Sachsen Anhalt. Nachrichten abschalten, wegschauen, abdrehen. Das hatte ich mir gewünscht. Was aber passierte, als ich auf die Straße ging?
Vor der queeren Bar im Nachbarhaus, in der ich vor etlichen Jahren einmal meine Malereien aufgehängt hatte, traf ich auf die Besucher mit ihren Cocktails in der Hand und musste durch sie hindurch.
Ich wechselte die Straßenseite und landete vor dem Friseur „Koffi & M.“, auf den ich immer aus meinem Atelierfenster blicke. Davor sind meistens Afrikaner versammelt um sich die Zeit zu vertreiben. Es war richtig was los.
Ich hab kein Wort verstanden, bin weitergegangen und landete in der 50 Meter entfernten Bahnunterführung, dem sog. „Friedenstunnel“, der seit 2015 für das friedliche Miteinander der Kulturen und Religionen steht. Links und rechts von mir 82 künstlerisch gestaltete Texttafeln, auf denen Weisheits- und Friedenstexte verschiedener Kulturen und Religionen zu lesen sind.
Und dann wurde mir klar: Ich kann das nicht! Einfach abschalten, wegsehen, mich zurückziehen. Das ginge ja nur, wenn ich so tun würde, als wären die queeren Menschen, die Afrikaner oder die fremden Kulturen nicht da. Ich müsste sie ausblenden. Ich müsste sie unsichtbar machen, eine Mauer um mich ziehen und an allem vorbeisehen, das mich am Weitergehen hindert.
Klar! Das geht. Das kann ich machen. Den Rest besorgt die AfD. Da brauch ich dann auch nicht mehr hinsehen. Aber es wird dunkel um mich herum.
„Finstere Zeiten“ hat das Hannah Arendt genannt.
Und diese Rede von Hannah Arendt, in der sie von den „finsteren Zeiten“ sprach, war für mich immer ein Schlüssel, um den Nationalsozialismus zu verstehen: Alle hatten irgendwie mitgemacht und niemand hatte was gesehen.
Das hatte Hannah Arendt anlässlich der Verleihung des Lessingpreises so formuliert:
„In der Geschichte sind die Zeiten, in denen der Raum des Öffentlichen sich verdunkelt und der Bestand der Welt so fragwürdig wird, dass die Menschen von der Politik nicht mehr verlangen, als dass sie auf ihre Lebensinteressen und Privatfreiheit die gehörige Rücksicht nehme, nicht selten. Man kann sie mit einigem Recht »finstere Zeiten« nennen.“
Ich gehe also weiter.
Und suche in der Dunkelheit das Licht.