Ich weiß nicht, ob Friedrich Merz eine Mimose ist. In der Talkshow von Caren Miosga wollte er sich tapfer zeigen. Das ist mir aber eigentlich egal. Ich kenne ihn ja nicht. Was ich über ihn weiß, weiß ich nur aus der Zeitung und dem Fernsehen.
Da tritt er als unser Bundeskanzler in Erscheinung und soll die Richtlinien der Politik bestimmen. Wenn er dabei die Mimose spielt, spielt er im falschen Stück mit.
Einer Mimose würde ich mein Mitgefühl entgegenbringen und sie ermutigen, auf die Rolle zu blicken, die sie spielt. Als Therapeut würde ich sie vielleicht auffordern, ihre Rolle mal zu reflektieren — oder vielleicht besser noch: Probeweise mal eine andere Rolle einzunehmen und die Perspektive zu wechseln.
Dann würde die Mimose vielleicht merken, dass sie in einem Stück agiert, das sie nicht in der Hand hat. Und dass sie aus dem Stück aussteigen kann. Das kann Friedrich Merz natürlich nicht. Dann müsste er ja zurücktreten.
Oder anders herum:
Wenn Friedrich Merz Bürgergeldempfänger, Migranten oder politische Gegner herabsetzt oder demütigt, weil sie in seinen Augen faul oder gar gefährlich seien, eröffnet er eine Debatte, die toxisch ist. Weil diejenigen, auf die er zielt, sich persönlich herabgesetzt fühlen müssen und keine andere Wahl haben, als sich gegen die Herabsetzungen zu wehren.
Dann spielt er mit toxischen Diskursstrategien, durch die Bürgergeldempfänger, Migranten oder politische Gegner eine Rolle zugewiesen bekommen, die nichts mit den politischen Fragen zu tun hat, über die sich streiten ließe. Er spielt mit in einem Stück, das bestimmt ist von Schuldzuweisungen und Kränkungen.
Ich stelle mir gerade eine Bundeskanzlerin oder einen Bundeskanzler vor, die oder der imstande ist, alle gesellschaftlichen Kräfte zu mobilisieren, um den Herausforderungen einer sozialen, inklusiven und gerechten Gesellschaft gerecht zu werden.
Ich glaube nicht, dass das Friedrich Merz wäre.