Wissen Sie was, Ulf Poschardt,

die Überschrift Ihrer gestrigen Kolumne auf der Titelseite der WELT wirkt auf mich wie eine Drohung: „Es ist vorbei, bye, bye, Antifa!“. Um es vorauszuschicken: Es ist nicht vorbei!

Die Wirklichkeit ist nicht das, was Sie aus ihr machen.

Man kann sich in ganz unterschiedlicher Weise eine Meinung bilden. Man kann die Wirklichkeit zum Ausgangspunkt nehmen, kurz das, was wir verkürzt „Fakten“ nennen. Dann macht man sich ein Bild.

Oder man schickt das Bild der Wirklichkeit voraus und stattet sie mit Bedeutungen aus, die einem in den Kram passen. Das ist dann so etwas wie „Ideologie“.

Nun haben Sie, Herr Poschardt, sich entschlossen — das schreiben Sie selbst — ein Bild von den Demonstrationen in Erfurt zu entwerfen, „das bleibt“. Ein Bild muss mit den Fakten nicht übereinstimmen. Ist ja nur ein Bild.

Also charakterisieren sie die Demonstrationen einfach als gewalttätig. Das hat vor Ihnen schon die AfD versucht, indem sie von einem drohenden Bürgerkrieg gefaselt hat, um die Demonstranten zu kriminalisieren und sie als die wahre Gefahr für die Demokratie auszumachen. Der Bürgerkrieg ist aber ausgeblieben und die Proteste sind friedlich verlaufen.

Damit wollten Sie sich nicht zufrieden geben und schreiben sich in die AfD-Seele hinein.

Sie greifen einfach eine gewalttätige Ausschreitung am Rande der Demonstration heraus und entwerfen ein Bild, das nichts mit der Wirklichkeit zu tun hat. Dass Journalisten gewaltsam angegriffen wurden, ist noch kein Bürgerkrieg. Aber was soll’s: Sie machen einen daraus.

Sie erklären einfach die Gesamtheit des antifaschistischen Widerstands dafür verantwortlich, was eine Handvoll Gewalttäter am Rande veranstalten. Das ist so, als würden in einem Fußballstadion einige Idioten mit Feuerwerkskörpern hantieren und sie würden das ganze Fußballstadion dafür verantwortlich machen.

Sie operieren unterhalb der Gürtellinie und beenden Ihre Kolumne mit dem Satz: „Jeder, der die Realität nüchtern betrachtet, erkennt: Dieses Antfa-Milieu tritt totalitärer, bösartiger und antidemokratischer auf als manche radikalen Vertreter der AfD. Die alte Schauererzählung trägt nicht mehr.“

Ist das Ihr Ernst?

Bye, bye, Ulf Poschardt! Sie sind eine miserabler Journalist.

Vielleicht versuchen Sie es mal als Propagandaminister. Dann aber machen Sie sich auf Widerstand gefasst.

Ich spreche dabei nicht von Bürgerkrieg: Ich verabscheue Gewalt.

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