Wie kriegt man einen Nagel in die Wand, wenn man keinen Hammer hat?

Das ist ganz einfach: Feindbilder produzieren, bis die Frage nach dem Hammer verschwunden ist.

Wie das geht?

Friedrich Merz hat zum Problem erklärt, dass sich immer mehr Leute krank melden. Dann ist nicht mehr die Krankheit das Problem, sondern dass die Leute sich krankschreiben lassen.

Wenn es Bedürftige gibt, die Bürgergeld kriegen, ist nicht die Frage, wie ihnen geholfen werden kann, sondern dass sie anderen zur Last fallen.

Wenn es ganz viele Rentner gibt, ist nicht das Problem, wie sie ihre Rente kriegen, sondern wie man sich das sparen kann.

Wenn die Städte verkommen, weil die Kommunen kein Geld haben, sind nicht die Finanzen das Problem — sondern das Stadtbild.

Friedrich Merz! Nun muss aber mal gut sein!

Probleme löst man nicht, indem man sie verschiebt oder sie mit Bedeutungen überschreibt, um sie zu verdecken.

Ich denke an eine Geschichte, die Paul Watzlawick über einem Mann erzählt hat, der einen Nagel, aber keine Hammer hat. Er denkt darüber nach, wie er den Nagel in die Wand kriegt und ihm fällt ein, dass der Nachbar einen Hammer hat. Plötzlich ist für ihn die Frage nicht mehr, wie er an den Nagel in die Wand kriegt, sondern was der Nachbar macht, wenn er ihn danach fragt:

„Was, wenn der Nachbar mir den Hammer nicht leihen will? Ge­stern schon grüsste er mich nur so flüchtig. Vielleicht war er in Eile. Aber vielleicht war die Eile nur vorge­schützt, und er hat etwas gegen mich.

Und was? Ich habe ihm nichts angetan; der bildet sich da etwas ein. Wenn jemand von mir ein Werkzeug borgen wollte, ich gäbe es ihm sofort. Und warum er nicht? Wie kann man einem Mitmenschen einen so einfachen Gefallen ab­schlagen?

Leute wie dieser Kerl vergiften einem das Leben. Und dann bildet er sich noch ein, ich sei auf ihn angewiesen. Bloss weil er einen Hammer hat. Jetzt reicht’s mir wirklich. — Und so stürmt er hinüber, läutet, der Nachbar öffnet, doch bevor er «Guten Tag» sagen kann, schreit ihn unser Mann an: «Behalten Sie Ihren Hammer, Sie Rüpel!»“

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