Seit Wochen geht mir die Debatte um Donald Trump auf die Nerven. Über jedes Stöckchen, das er hinhält, springen Politik und Medien. Dabei kaschieren seine Lügen nur die Wirklichkeit.
Der kanadische Ministerpräsident Mark Carney hat auf dem Weltwirtschaftsforum eine bemerkenswerte Rede gehalten und festgestellt,
„dass die mittleren Mächte wie Kanada, nicht machtlos sind. Sie haben die Fähigkeit, eine neue Ordnung aufzubauen, die unsere Werte, wie die Achtung der Menschenrechte, nachhaltige Entwicklung, Solidarität, Souveränität und territoriale Integrität der verschiedenen Staaten umfasst. Die Macht der weniger Mächtigen beginnt mit Ehrlichkeit.
Es scheint, als würden wir jeden Tag daran erinnert, dass wir in einer Zeit grosser Machtkonflikte leben, dass die regelbasierte Ordnung verblasst, dass die Starken tun können, was sie können, und die Schwachen erleiden müssen, was sie erleiden müssen. Und dieser Aphorismus von Thukydides wird als unvermeidlich dargestellt, als natürliche Logik der internationalen Beziehungen, die sich erneut durchsetzt. Angesichts dieser Logik neigen Länder stark dazu, sich anzupassen, um mitzukommen, Schwierigkeiten zu vermeiden, in der Hoffnung, dass Anpassung Sicherheit erkauft.
Das wird es aber nicht.
Was sind also unsere Optionen?
1978 schrieb der tschechische Dissident Václav Havel, später Präsident, einen Aufsatz mit dem Titel „Die Macht der Machtlosen“ und stellte darin eine einfache Frage: Wie hielt sich das kommunistische System aufrecht? Seine Antwort begann mit einem Gemüsehändler.
Jeden Morgen hängt dieser Ladenbesitzer ein Schild in sein Fenster: „Proletarier aller Länder, vereinigt euch“. Er glaubt nicht daran, niemand tut es, aber er hängt das Schild trotzdem auf, um Schwierigkeiten zu vermeiden, um Konformität zu signalisieren, um zurechtzukommen. Und weil jeder Ladenbesitzer in jeder Strasse dasselbe tut, bleibt das System bestehen – nicht allein durch Gewalt, sondern durch die Beteiligung gewöhnlicher Menschen an Ritualen, von denen sie insgeheim wissen, dass sie falsch sind. Havel nannte dies „in einer Lüge leben“.
Die Macht des Systems beruht nicht auf seiner Wahrheit, sondern auf der Bereitschaft aller, so zu handeln, als wäre es wahr, und seine Fragilität entspringt demselben Ursprung. Wenn auch nur eine Person aufhört, so zu handeln, wenn der Gemüsehändler sein Schild entfernt, beginnt die Illusion zu bröckeln.“
Hoffentlich!
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