„Setze dich zu meiner Rechten, bis ich deine Feinde zum Schemel deiner Füße mache.“

Ich weiß: Wenn ich im Zusammenhang mit dem Besuch von Friedrich Merz bei Donald Trump den Psalm 110,1 zitiere, ist das völlig aus dem Zusammenhang gerissen. Donald Trump ist ja nicht der liebe Gott. Er hält sich bloß dafür. Oder zumindest für gottgleich. Und damit erhebt er sich über alle völkerrechtlichen Grundsätze.

Trump zettelt Kriege an, lässt Minderheiten im eigenen Land verfolgen, schreddert die Klimapolitik, versucht Wahlen zu manipulieren und erpresst andere Länder. Ich frage mich: Was sagt man als Politiker zu einem solchen Narzissten, wenn man mit ihm verhandeln will?

Wäre Trump der liebe Gott, würde man vielleicht darauf warten, was er zu sagen hat. Auf keinen Fall würde man es sich mit ihm verscherzen. Das scheint jedenfalls die Strategie von Friedrich Merz gewesen zu sein, als er ihn getroffen hat.

Naja, werden jetzt Merz-Versteher einwenden: So schlecht hat der Merz seinen Job nicht gemacht. Immerhin hat er versucht, die europäischen Interessen zu vertreten. Und er hat Trump auf seiner Seite. Wie macht er das?

Kein Widerspruch gegen die Angriffe auf den Iran. Kein Widerspruch gegen Trumps Taktieren gegenüber der Ukraine. Kein Widerspruch gegen seinen Ausstieg aus den international vereinbarten Klimazielen. Kein Widerspruch gegen seine wirtschaftlichen Erpressungsversuche. Kein Widerspruch gegen die gewaltsame Unterdrückung von Minderheiten.

Stattdessen? Nichts. Ein höflicher Diener und Nettigkeiten. Trump scheint sich darüber zu freuen und nennt Friedrich Merz einen echten Freund und Verbündeten.

Dann fährt er fort: „Ich glaube, Friedrich März ist ein exzellenter Anführer. Ich hatte meine Probleme mit Angela Merkel. Ich sagte zu ihr: Du schadest deinem Land mit Migration und mit Energie. Aber der Mann zu meiner Rechten (Trump zeigt auf Friedrich Merz) ist, glaube ich, genau das Gegenteil davon. Ich glaube, er macht das sehr gut.“

Und Friedrich Merz? Der freut sich auch und erwidert die Freundlichkeiten.

Man kann ja von Angela Merkel halten, was man will. Aber sie hat einen moralischen Kompass gehabt. Dass man sich den gegenüber Trump bewahren kann, hat Spaniens Premier Pedro Sánchez gerade bewiesen: Er bekräftigte seine Ablehnung der amerikanischen Kriegshandlungen.

Ich frage mich, ob es die Strategie von Friedrich Merz dagegen ist, sich der Politik von Donald Trump anzudienen?

Wenn das keine Strategie ist, dann ist es sein Kompass.

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